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Aktuell

 

Bilanz zur Erdbeersaison 2022 in Süddeutschland

Trotz sehr guter Fruchtqualität starker Preisdruck auf regionale Erdbeeren durch bevorzugte Importware im Lebensmitteleinzelhandel

Bruchsal, 28. Juni 2022. Aufgrund der hohen Temperaturen und den nachfolgenden starken Niederschlägen endet die Erdbeerhaupternte in Süddeutschland bereits Ende Juni. Auch in Mitteldeutschland sind die Erdbeermengen deutlich rückläufig. In Norddeutschland ist man noch mitten in der Erdbeerhaupternte.
Das sonnige Frühjahr ohne nennenswerte Frost- oder Starkregenschäden hatte ein sehr gutes Erdbeerjahr versprochen. Doch der Lebensmitteleinzelhandel hielt Importerdbeeren zu hohen Mengen und bis weit in die Hauptsaison hinein neben den regionalen Erdbeeren in den Regalen, was zu einem extremen Preisdruck und frühen Preisverfall für die heimischen Früchte führte.
„Die Frühsaison verlief in Süd- und Mitteldeutschland nicht zufriedenstellend. Im Lebensmitteleinzelhandel waren die Erzeugerpreise streckenweise kaum auskömmlich, je nach Region lief die Direktvermarktung aber ganz gut, so dass wir insgesamt auf eine durchwachsene Erdbeersaison zurückblicken. Große Sorge bereiten uns allerdings die stark steigenden Produktionskosten, die 2023 nochmals einen Sprung nach oben machen werden, und die Tatsache, dass sich die entsprechenden Erzeugerpreise bereits in diesem Jahr nicht durchsetzen ließen“, erklärt Simon Schumacher, Vorstandssprecher des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE)

Sehr gute Fruchtqualität und gute Erntemengen

„In Bezug auf die Erntemenge und Fruchtqualität war es ein gutes Jahr. Mit wenigen Ausnahmen wie beispielsweise Pfingsten war allerdings der Absatz verhaltener als gewünscht. In der Direktvermarktung sind die Preise stabil geblieben. Einen richtigen Rückgang an Erdbeeranbauflächen wird es nicht geben, aber bei einigen Betrieben Korrekturen in der Vermarktung: weniger Belieferung der Erzeugergenossenschaften zugunsten einer Konzentration auf die Direktvermarktung“, bilanziert Katrin Hetebrügge, Erdbeeranbauberaterin in Südhessen.

Importware führt zu starkem Preisdruck auf heimische Erdbeeren

Bereits in der zweiten Maiwoche fielen die Verbraucherpreise unter den langjährigen Durchschnittspreis und erholten sich erst wieder ab der 25. Kalenderwoche (Mitte/Ende Juni), was sicherlich auch an der rückläufigen Erdbeererntemenge lag. Laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) fielen 2/3 der Werbeimpulse durch den Lebensmitteleinzelhandel auf Importerdbeeren. „Es gab schon immer Jahre, in denen lange Importerdbeeren neben den heimischen Erdbeeren in den Regalen lagen, aber dieses Jahr war die Konkurrenzsituation stärker“, betont Eva Würtenberger, AMI-Erdbeermarkt-Expertin.
Auch in Mitteldeutschland wirkte sich die Strategie des Lebensmitteleinzelhandels nachhaltig negativ aus. „Die Frühsaison war für die Betriebe nicht zufriedenstellend, da die Preise sehr schnell zurückgenommen werden mussten, weil der Handel bis Ende Mai Importware in den Regalen hatte. Der Absatz war sehr unterschiedlich. Reine Freilandbetriebe sind meist nicht ganz unzufrieden mit der Saison. Allerdings sind viele Produzenten sehr verunsichert, was die Entscheidungen für die kommende Saison, die jetzt anstehen, betrifft. Insbesondere bereitet ihnen die Einführung des höheren Mindestlohns große Sorgen. Tendenziell werden Erdbeeranbauflächen reduziert werden“, resümiert Ludger Linnemannstöns, Erdbeeranbauberater in Nordrhein-Westfalen. 

Erdbeeren bleiben Lieblingsobst – Direktvermarktung mit stabilen Preisen

Die Privathaushalte haben bis Ende Mai Erdbeeren aller Herkünfte in überdurchschnittlichen Mengen eingekauft. Laut AMI wird das langjährige Mittel um 11 Prozent übertroffen. Im Vergleich hierzu schnitten die Obsteinkäufe insgesamt mit einem Minus um 2 Prozent ab. Im Mai 2022 gab es gegenüber anderen frühen Erntejahren eine leichte Kaufzurückhaltung. Dies zeigt die Einkaufsmenge der Privathaushalte, die etwas weniger deutsche Erdbeeren kauften als in vergleichbar frühen Jahren. Auch in diesem Jahr nutzten Erdbeerfans die Selbstpflückangebote der Erdbeererzeuger gut.

Im Norden geht die Saison noch weiter

„Wir sind gerade noch mitten in der Erdbeerernte. Bisher ist die Direktvermarktung nicht schlecht gelaufen. Da wir im Norden aufgrund der sehr kalten Nächte später mit der Erdbeerernte dran sind, hat das Preistief im Mai die Erzeuger nicht so getroffen wie im Süden. Diese Erdbeersaison kann eine gute für Norddeutschland werden“, erklärt Tilman Keller, Erdbeeranbauberater für Niedersachsen und Schleswig-Holstein.


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Bilanz zur Spargelsaison 2022

Verhaltene Nachfrage nach Spargel sorgt für Preissturz und Umsatzminus

Bruchsal, 22. Juni 2022. Herausfordernd war die Spargelsaison 2022 für die Anbauer und Anbauerinnen. Trotz guter Wetterbedingungen, ausreichend Erntehelfern und besten Spargelqualitäten kam es bereits zu Beginn der Saison durch die verhaltende Nachfrage zu stark fallenden Preisen, die sich bis zum Saisonende hin kaum erholen konnten. Gerade im Handel und Großhandel waren die Erzeugerpreise größtenteils und über viele Wochen kaum oder nicht auskömmlich. Nur in der Gastronomie und in der Direktvermarktung konnten die Betriebe zufriedenstellende Preise erzielen.

Unsichere Wirtschaftslage bremst Spargel-Nachfrage aus

„Nach den beiden Corona-Jahren, in denen gesundes Gemüse wie Spargel sehr nachgefragt waren, und die Direktvermarktung einen Auftrieb erlebte, war dieses Jahr von einer schwachen Nachfrage nach Spargel geprägt. Diese sowie witterungs- und importbedingten Übermengen sorgten gleich zu Beginn für einen starken Preisverfall, der den Anbauern gerade durch die extrem gestiegenen Produktionskosten stark zusetzte. Mit Blick auf die kommende Saison fordern wir dringend eine Entlastung der Betriebe durch geringere Bürokratie und das Einfrieren des Mindestlohns auf 12 Euro, um die inländische Produktion zu sichern“, erklärt Simon Schumacher, Vorstandssprecher des Verbandes Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE).

Durchschnittliche Verbraucherpreise unter denen des Vorjahres

Nur kurz zu Saisonbeginn und am Ende der Saison lag der durchschnittliche Spargelpreis bedingt durch die knappe Menge über dem Vorjahresniveau. Ansonsten war er weit niedriger als im Vorjahr.
„Die wirtschaftliche Unsicherheit der Verbraucher war der Hauptgrund für den schwierigen Verlauf der Spargelsaison: Weniger Verbraucher haben seltener und weniger Spargel gekauft. Die Käuferreichweite liegt unter dem mehrjährigen Mittel. Die Spargelpreise standen lange unter Druck. Erst zu und nach Pfingsten hat sich die Situation etwas entspannt. Dann war Spargel gesucht, und die Preise haben langsam wieder angezogen“, resümiert Michael Koch, Bereichsleiter Gartenbau und Spargelmarkt-Experte der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI).

Knappes Spargelangebot im Juni führt zu Preisanstieg

„Gegen Ende der Spargelsaison kehrte wieder mehr Normalität beim Einkaufsverhalten ein. Doch das konnte die Saison nicht mehr retten, da nicht mehr große Mengen zur Verfügung standen. Aufgrund der geringen Nachfrage wurden viele Spargelanlagen im Mai aus der Ernte genommen. Im Juni war die Spargelmenge knapp, was wohl an der der geringeren Ertragspotenz der im Ertrag verbliebenen Anlagen lag. Zurückzuführen ist dies mit großer Wahrscheinlichkeit auf den milden Winter, in dessen Folge die Pflanzen im Frühjahr weniger austrieben. Die längere Erholungsphase der früher aus der Ernte genommenen Spargelanlagen wird sich positiv auf die kommende Spargelsaison auswirken“, erklärt Spargelanbauberater Dr. Ludger Aldenhoff.

Tipp: Spargel einfrieren

Wer die Spargelsaison für sich verlängern will oder sie sich wieder in Erinnerung rufen will, der kann Spargel auch einfrieren. Der Spargel sollte direkt nach dem Kauf gewaschen, geschält und dann portionsweise roh eingefroren werden. Bei der Zubereitung muss der Spargel nicht zuerst aufgetaut werden, sondern kann direkt sehr kurz – für etwa drei bis fünf Minuten gekocht werden.

Der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e. V. (VSSE)

Der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e. V. (VSSE) vertritt die Interessen der Spargel- und Erdbeeranbauer mit dem Schwerpunkt in Süddeutschland. Mit über 660 Mitgliedern ist der VSSE Deutschlands größter Verband für Spargel- und Erdbeeranbauer. Weitere Informationen unter www.vsse.de


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Das Chart zu den Spargelpreisen finden Sie hier.
Hier finden Sie weitere Zahlen und Fakten zur Branche.

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Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände e.V.

12 € Mindestlohn beschlossen – Jetzt Obst- und Gemüsebau-Betriebe entlasten

Leverkusen, 3. Juni 2022. Die Situation der Spargel- und Erdbeererzeuger in Deutschland, die für den Handel produzieren, ist ernst: Der Handel zieht selbst in der Saison Billigimporte der heimischen Ware vor. Familienbetriebe mit regionalem handarbeitsintensivem Obst- und Gemüsebau werden durch dieses Einkaufsverhalten sowie politisch bedingte Kostensteigerungen stark geschädigt. Diese Situation zeichnet sich seit Saisonbeginn ab, wie eine Umfrage des Netzwerks der Spargel- und Beerenverbände e. V. im Mai 2022 zeigt: Über 50 Prozent der befragten Spargelerzeuger bewerten Absatzsituation schlecht bis sehr schlecht und knapp ein Fünftel als mittelmäßig. Bei Erdbeeren stufen 30 Prozent der Erzeuger die Absatzsituation als schlecht bis sehr schlecht und knapp 30 Prozent die Absatzsituation als mittelmäßig ein. Der überwiegende Anteil der Spargel- und Erdbeererzeuger konnte die anvisierten Preise in dieser Saison nicht realisieren. (Quelle)

„Die Mindestlohnerhöhung wurde im Bundestag beschlossen, während Betriebe Erdbeeren vor der Ernte vernichten und Spargel auf dem Feld austreiben lassen, da die Preissituation beim Verkauf über den Handel nicht auskömmlich ist, und die Produktionskosten explodieren. Die Betriebe reagieren bereits mit Flächenreduktion und Konzentration auf die Direktvermarktung. Manche denken gar über die Aufgabe der Produktion nach. Doch das kann nicht im Sinne der Politik sein, die eine regionale, faire und emissionsarme Produktion von hochwertigen Lebensmitteln durch viele Familienbetriebe will“, erklärt Simon Schumacher, Vorstand Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände e.V.

Die Konsequenzen werden sein: nur noch klimaschädliche Billigimporte aus Südeuropa und aus Drittstaaten im Supermarkt. Bei länger anhaltender Inflation und damit schwächerer Kaufkraft sowie massiver Kostensteigerung auf Erzeugerseite wird sich der Trend zur Betriebsaufgabe und Flächenreduktion in Deutschland weiter stark beschleunigen. Wenn die Politik die regionale Produktion von Obst und Gemüse in Deutschland aufrechterhalten will, ist die Umsetzung folgender Maßnahmen erforderlich:

  • Kostenreduktion für Betriebe durch Einfrieren des Mindestlohns bis Ende der außergewöhnlichen Inflationsphase
  • vereinfachte Bewertung der Berufsmäßigkeit bei der kurzfristigen Beschäftigung anhand zweier Kriterien: Beschäftigungsdauer und Höhe des Einkommens
  • Mindestquote von in Deutschland erzeugtem Obst und Gemüse für den Handel von Beginn der Saison an
  •  Verbot zur Doppelkennzeichnung bei Produktwerbung bzgl. der Herkunft bei Obst und Gemüse, sofern erkennbare Produktionskostenunterschiede vorliegen (z.B. Deutsch/Spanisch)

Weiterhin sind folgende Maßnahmen eine hilfreiche Unterstützung der heimischen Obst- und Gemüseerzeugern:

  •  Öffentlich finanzierte Werbung für heimisch erzeugte gärtnerische und landwirtschaftliche Produkte
  • Kennzeichnungspflicht der Herkunft bei verarbeiteter Ware bzgl. der Hauptbestandteile, die aus landwirtschaftlicher Produktion stammen
  • Weitere Entlastung der Verbraucherinnen und Verbraucher, um zu gewährleisten, dass sie sich gesunde, regional erzeugte Lebensmittel leisten können

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Presseansprechpartner:

Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände e.V. | Ropenstall 83a | 51377 Leverkusen

Frank Saalfeld, Geschäftsführer | Tel.: +49 2171 4014304 | Mobil: +49 160 7832352 | info@netzwerk-spargelbeeren.de

Isabelle Bohnert, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit |Tel.:  +49 (0)7251 3032184 | presse@netzwerk-spargelbeeren.de

Weitere Informationen unter: https://netzwerk-spargelbeeren.de/

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Gedrückte Stimmung in der Spargel- und Erdbeerbranche

Regionalität im Handel reines Lippenbekenntnis – Importe während der Saison drücken Preise und Absatz

Bruchsal, 17. Mai 2022. Noch knapp sechs Wochen sind es bis zum Ende der Spargelsaison am 24. Juni. Trotz bester Spargel-Qualitäten und guter Ernte ist die Spargelsaison bisher jedoch nicht zufriedenstellend. Auch die Erdbeersaison hat trotz bester Qualitäten einen schweren Start. Denn wie beim Spargel behielt der Handel Importe von Spargel und Erdbeeren bis Mitte Mai bei, was den Preis für heimische Ware stark gedrückt hat. Andererseits sorgten teilweise überzogene Preise des Handels für regionalen Spargel und regionale Erdbeeren, d.h. hohe Margen für den Handel, für großen Unmut bei den Käufern und Käuferinnen, die sich übervorteilt fühlten.

„Wir sind ernüchtert und enttäuscht. Mit Corona, dem Krieg in der Ukraine und der Klimakrise dachten wir, es sollte nun jedem klar geworden sein, wie wichtig die Produktion von Lebensmitteln im eigenen Land ist. Weit gefehlt, der Handel hält bis mitten in die Saison hinein neben dem heimischen Spargel Importware zu Spottpreisen in seinen Regalen. Kaum besser ergeht es den Erdbeeren. Man importiert Bio-Ware aus weiter Entfernung und lässt den heimischen Anbau gegen die Wand fahren, wohlwissend, dass dies die Existenz der Landwirte gefährdet, und Regionalität und Saisonalität eine Menge CO2 einsparen und das Klima schonen“, erklärt Simon Schumacher, Vorstand im Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände e.V., bitter.

Importspargel und Importerdbeeren können in Deutschland deswegen günstiger als deutscher Spargel angeboten werden, da die Löhne niedriger sind: In Italien gibt es keinen Mindestlohn. In Spanien liegt der Mindestlohn bei 6,06 Euro pro Stunde, in Griechenland gar bei 3,83 Euro pro Stunde und in Ungarn liegt er bei 3,21 pro Stunde. Mit aktuell 9,82 Euro pro Stunde liegt Deutschland hier schon mehr als das 1,5- bis 2,5-Fache höher.

Laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI), wurde das Preisniveau vom Spargel nach Ostern auf allen Handelsebenen zurückgenommen. Während die Mengen für das Ostergeschäft nur knapp ausreichend waren, hat sich nach Ostern schnell ein Überangebot aufgebaut. Die Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels zeige sich in dieser Saisonphase deutlicher, und die Preise gerieten unter Druck. Laut AMI waren 2021 April und Mai die Monate mit den stärksten Importen von Spargel, vor allem Grünspargel. 2022 liefen in der Kalenderwoche 19 (Mitte Mai) immer noch Angebote im Lebendmitteleinzelhandel für Importspargel. 10 von insgesamt 60 Werbeanstößen entfielen auf Importe, das meiste davon war grüner Spargel.

Zudem waren – bedingt durch die Inflation und die Unsicherheit angesichts der Weltlage – Liebhaberinnen und Liebhaber von Spargel und Erdbeeren aus der Region in dieser Saison bisher zurückhaltender als erwartet. Weswegen die Nachfrage nach Spargel nur zu und an den Ostertagen sehr zufriedenstellend und am Muttertag gut war. Die Nachfrage nach regionalen Erdbeeren war verhalten und nimmt nun erst mit den warmen Tagen zu.

Absatz und angemessene Preise: Direktvermarktung gewinnt – Handel verliert

Eine Umfrage des Netzwerks der Spargel- und Beerenanbauer e. V., die vom 10. bis 16. Mai 2022 stattfand und an der 274 Betriebe teilnahmen, zeigt folgendes Bild vom Spargelmarkt: Im Handel geben die Hälfte der Befragten (51 Prozent) an, dass die Absatzsituation schlecht bis sehr schlecht im Vergleich zu einem durchschnittlichen Jahr läuft. Weniger als jeder fünfte Befragte (17 Prozent) bewertet den Verkauf noch als mittelmäßig, nur 8 Prozent als gut bis sehr gut. Die Gastronomie läuft gut bis sehr gut bei 42 Prozent, bei 35 Prozent mittelmäßig, bei rund 12 Prozent schlecht bis sehr schlecht. Die Direktvermarktung wird zu knapp einem Viertel der Befragten als gut bis sehr gut bewertet (23 Prozent) und mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) geben an, dass der Verkauf mittelmäßig verläuft. Das letzte Viertel (24 Prozent) bewertet den Verkauf über die Direktvermarkter als schlecht bis sehr schlecht. (Teilnehmer: 237)

Mehr als die Hälfte der Befragten geben an, dass die bisherige Vermarktung über den Handel schlecht bis sehr schlecht im Vergleich zu einem durchschnittlichen Jahr verlaufe, während in der Direktvermarktung über die Hälfte der Befragten angeben, dass die Verkaufssituation mittelmäßig einzustufen ist. Der Absatz über die Gastronomie wird von jedem Dritten als gut bis sehr gut bewertet und mehr als jeder Dritte bewertet diesen Absatzweg als mittelmäßig.

In der Direktvermarktung konnten Spargelanbauer zu 33 Prozent die anvisierten Preise erreichen, rund 47 Prozent konnten sie teilweise durchsetzen. Rund 20 Prozent konnten sie nicht durchsetzen. Beim Handel konnten nur gut 3 Prozent ganz und rund 16 Prozent teilweise die Spargelpreise durchsetzen. Rund 57 Prozent gaben an, dass sie die Preise nicht durchsetzen konnten. In der Gastronomie konnten sie zu 28 Prozent die Spargelpreise ganz und zu rund 38 Prozent teilweise und zu 21 Prozent nicht erreichen. (Teilnehmer: 233)

Der Absatz der bisherigen Absatzsituation bei Erdbeeren wird im Handel von jedem dritten Befragten als schlecht bis sehr schlecht bewertet. Knapp jeder Dritte stuft den Absatz über den Handel noch als mittelmäßig ein.

Was den Erdbeermarkt betrifft, so bewerten 42 Prozent der Anbauer den Absatz in der Direktvermarktung als gut bis sehr gut und rund 46 Prozent als mittelmäßig und knapp 10 Prozent als schlecht bis sehr schlecht. Beim Handel ist die Lage viel schlechter: nur 10 Prozent bewerten den Absatz als gut bis sehr gut, 29 Prozent als mittelmäßig und 30 Prozent als schlecht bis sehr schlecht. Den Absatz über die Gastronomie bewerten knapp 12 Prozent der Erdbeerproduzenten als gut bis sehr gut, und rund 23 Prozent als mittelmäßig und rund 23 Prozent als schlecht bis sehr schlecht. (Teilnehmer: 160)
In der Direktvermarktung konnten Erdbeeranbauer zu 36 Prozent die anvisierten Preise erreichen, 43 Prozent konnten sie teilweise durchsetzen. Beim Handel konnten nur 4 Prozent ganz und 15 Prozent teilweise die Erdbeerpreise durchsetzen. In der Gastronomie konnten sie zu 8 Prozent die gewünschten Erdbeerpreise ganz und zu rund 28 Prozent teilweise erreichen. (Teilnehmer: 152) *

 

Die anvisierten Spargel- und Erdbeerpreise konnten im Handel bei mehr als der Hälfte der Befragten nicht realisiert werden. In der Direktvermarktung waren es beim Spargel knapp die Hälfte der Befragten, die die Preise teilweise durchhalten konnten und 15 % der Erdbeererzeuger.  Mehr als jeder Dritte meinte, dass die anvisierten Spargel- und Erdbeerpreise in der Direktvermarktung gehalten werden konnten.

Auf die Frage, welche Maßnahmen den Absatz ankurbeln würden, wurden folgende Antworten gegeben: 87 Prozent der Spargelanbaubetriebe fordern vom Handel in der Saison eine Umstellung auf deutsche Ware, 84 Prozent von ihnen wünscht sich eine klare Hervorhebung der Qualitäten und Vorteile der heimischen Erzeugung und 72 Prozent mehr Werbung für den deutschen Spargel durch den Handel.

Fast alle Befragten meinen, dass als absatzfördernde Maßnahme die Qualitäten und die Vorzüge der regionalen Erzeugung, anstelle des Preises, in den Mittelpunkt gestellt werden sollten und der Handel früher von Importen auf heimische Ware umstellen solle. Große Einigkeit besteht auch darin, dass Erzeuger und der Handel mehr Werbung für die Produkte machen müssten. Über 80% der Befragten lehnen Preisnachlässe auf allen Verkaufskanälen ab.

Die große Frage nach dem Wie bei 12 Euro Mindestlohn

Die aktuelle Situation gibt den Spargel- und Erdbeerproduzenten schon einen bitteren Vorschmack auf das, was sie 2023 mit 12 Euro Mindeststundenlohn erwartet. „Die Anbauer und Anbauerinnen bezahlen gerne 12 Euro Stundenlohn, aber dieser setzt faire Preise voraus. Aktuell zeigt sich deutlich, dass die heimische Produktion nicht entsprechend geschätzt und entlohnt wird. In der Branche wird der Unmut immer größer. Denn die Anforderungen wachsen, die Produktionskosten steigen, der Druck auf die Preise wird größer. Wenn sich die Preise nicht entsprechend des Mindestlohns anpassen, wird das die Existenz vieler Betriebe kosten“, betont Fred Eickhorst, Vorstand im Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände e.V.
*Hinweis zu den Zahlen: Da die Spargel- und Beerenbetriebe nicht immer alle Vertriebswege bedienen, ergeben die Prozentzahlen nicht immer 100 Prozent. Nicht alle Fragen waren für alle Betriebe relevant, da nicht alle beide Kulturen anbauen. Aus diesem Grund ist die Anzahl der Antworten hinter den Textpassagen in Klammern angegeben.

Über das Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände e.V.

Das Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände e.V. hat seinen Ursprung in jährlichen Treffen, die durch Jochen Winkhoff, ehemaliger Geschäftsführer vom Zentralverband Gartenbau e.V. (ZVG), organisiert wurden. Das Netzwerk wurde am 13. April 2021 offiziell gegründet und tauscht sich regelmäßig mit der Bundesfachgruppe Obst und Gemüse des BOG aus. Zu den Mitgliedern des Netzwerks zählen der Verband der Ostdeutschen Spargel- und Beerenobstanbauer, der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V., die Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer e.V. in Niedersachsen und die Vereinigung der Spargelanbauer Westfalen-Lippe e.V. sowie der Arbeitskreis Spargel Schleswig-Holstein e.V., der Arbeitskreis Spargel Südhessen, der Landesverband Obstbau Westfalen-Lippe und der Spargelerzeugerverband Südbayern e.V.  

Das Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände e.V. hat sich das Ziel gesetzt, mit seiner politischen und öffentlichen Tätigkeit den angeschlossenen Betrieben Sicherheit für ihre Produktion von Spargel und Beerenobst zu geben. Vorteile des Netzwerks sind der intensivierte Wissens- und Informationstransfer unter den angeschlossenen Verbänden sowie ihre enge Vernetzung und das einheitliche Auftreten nach außen über die gemeinsame Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.


Weitere Informationen unter: https://netzwerk-spargelbeeren.de/


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Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: 0 72 51/ 30 321 84 
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